Am 22. September um 10 Uhr soll die Berufungsverhandlung im Verfahren gegen Jurij Dmitriev vor dem Obersten Gericht Kareliens stattfinden. Die jüngste Entwicklung lässt nichts Gutes erwarten.

 

Dmitrievs Anwalt Viktor Anufriev ist erkrankt und befindet sich in Quarantäne. Bereits am 16. September hatte er bei Gericht eine Verlegung der Verhandlung auf den 28. September beantragt. An diesem Tag könnte er wieder teilnehmen und seinen Mandanten verteidigen. Das Gericht hat die Verhandlung aber nur um sechs Tage verschoben und Jurij Dmitriev einen neuen Anwalt zugeteilt. Diesem verbleiben gerade drei Arbeitstage, um sich mit den gesamten Unterlagen von mehreren Bänden vertraut zu machen.

 

Dmitriev ist mit dieser Entscheidung nicht einverstanden, das Gericht hat sein Votum indes nicht berücksichtigt.

Er soll per Video zur Verhandlung zugeschaltet werden. Nach seiner Aussage ist die technische Verbindung sehr schlecht, teilweise ist kaum etwas zu hören. Dem Antrag, persönlich teilnehmen zu können, wurde nicht stattgegeben.

 

Befangenheitsanträge gegen die Richter und den Staatsanwalt – die am Verfahren schon vorher beteiligt waren und die Positionen der Anklage vertreten hatten – waren am 16. September vom Gericht verworfen worden.

 

Ob das Gericht dem wiederholten Antrag des Anwalts auf Verlegung des Termins stattgeben wird, ist offen.

 

Die Anklage hatte zuletzt 13 Jahre Haft in strengem Vollzug für Dmitriev gefordert (ursprünglich 15 Jahre).

 

21. September 2020

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