abgeschlossene Projekte

Jugendgefängnis bei Kolpino

MEMORIAL Deutschland beteiligte sich an der Arbeit von MEMORIAL St. Petersburg in der so genannten „Erziehungskolonie für Minderjährige“ bei Kolpino südlich von St. Petersburg.
Diese Haftanstalt wurde bereits in den 60er Jahren am Rande der Industriesiedlung Kolpino eröffnet. Die Häftlinge sind Jugendliche im Alter zwischen 14-18 Jahren, die oft wegen Bagatelldelikten mehrjährige Haftstrafen verbüßen. Ein eigenes Jugendstrafrecht gibt es in Russland bis heute nicht. Doch auch junge Gewaltverbrecher sind hier interniert. Das Gefängnispersonal ist unterbesetzt und zudem nicht ausreichend im psychologischen Umgang mit den jugendlichen Insassen geschult.
Mitarbeiter von MEMORIAL St. Petersburg engagieren sich seit 1994 in dem Jugendgefängnis. Sie begleiten entlassene Jugendliche auf ihrem Weg zurück in die Gesellschaft. Häufig haben diese direkt nach der Haftzeit weder eine eigene Unterkunft noch einen eigenen Verdienst. Mitarbeiter von MEMORIAL helfen bei der Suche nach Wohnraum, Arbeit, einem passenden Ausbildungsplatz und ermöglichen durch die Organisation gemeinsamer Besuche von Museen und Konzerten eine Integration in ein neues soziales Umfeld.
Memorial unterstützt neben den eigentlichen Häftlingen auch das Gefängnispersonal. Mit finanzieller Unterstützung der Organisation „Penal Reform International“ (dt. „Internationale Strafrechtsreform“) führt MEMORIAL Schulungen zum psychologischen Umgang mit den jugendlichen Strafgefangenen durch. Nach anfänglicher Distanz des Gefängnispersonals wurde dieses Angebot mit immer stärkerem Interesse aufgenommen, zumal es keine staatlichen Programme in diesem Bereich gibt.
In Kooperation mit MEMORIAL Deutschland wurde die Gefängnisschule wiedereröffnet und mit Unterrichtsmaterialien ausgestattet sowie ein altes Gewächshaus auf dem Gefängnisgelände wieder in Betrieb genommen. MEMORIAL Deutschland erhielt für dieses Projekt im November 2001 den mit 50.000 DM dotierten zweiten Preis für humanitäre Hilfe in Mittel- und Osteuropa der Robert-Bosch-Stiftung. Das Preisgeld wurde für die technische Instandsetzung des Gewächshauses verwendet. Für die jugendlichen Insassen bietet das Gewächshaus sinnvolle Beschäftigungsformen, gleichzeitig wird durch das angebaute Obst und Gemüse die minderwertige Gefängnisernährung aufgewertet.

Ansprechpartner:
Sebastian Priess: sebastian.priess@memorial.de