"Flieg zum Flammengott der Schmerzen"

Lesung in München zum Gedenken an Carola Neher

 

Schauspieler der Münchner Kammerspiele und des Bayerischen Staatsschauspiels

lesen Texte von und über Carola Neher
(mit Caroline Ebner, René Dumont, Steven Scharf, Hildegard Schmahl)

Moderatorin: Julia Cortis, Bayerischer Rundfunk

sowie Chansons, gesungen von Carola Neher

 

am 16.1.2014    um 20.00 Uhr

Deutsches Theatermuseum München

Hofgartenstraße 4a

 

Karten: 10,- €

Reservierung unter Tel.: 21 06 91 - 28

 

In der von Bettina Nir-Vered (MEMORIAL Deutschland) arrangierten szenischen Lesung "Flieg zum Flammengott der Schmerzen" erinnern die Schauspieler/innen Caroline Ebner (Carola Neher) und René Dumont (Klabund) sowie Hildegard Schmahl und Steven Scharf (Zeugnisse) und Julia Cortis (BR, Moderation) an das faszinierende und ergreifende Schicksal Carola Nehers.

 

Gelesen werden Texte von Carola Neher selbst, Rezensionen ihrer Bühnenauftritte sowie Briefe und Gedichte namhafter Autoren wie Bertolt Brecht, Alfred Polgar, Elias Canetti und Klabund, Textpassagen wichtiger Rollen, die sie verkörperte (u.a. aus "Die Heilige Johanna der Schlachthöfe" von Bertolt Brecht und der "Marianne" aus Ödön von Horvath, "Geschichten aus dem Wienerwald") sowie Erinnerungen von Zeitzeugen, (u. a. Margarete Buber Neumann, Jewgenia Ginsburg) die Carola Neher während ihrer Haftzeit begegneten.

Zudem werden Chansons, gesungen von Carola Neher, zu hören sein.

 

Die in München geborene Schauspielerin Carola Neher gehört zu den beeindruckendsten künstlerischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Außergewöhnlich war nicht nur ihre steile Karriere, die sie ins Zentrum des pulsierenden Theaterlebens der 20er und frühen 30er Jahre katapultierte. In gefeierten Inszenierungen verkörperte sie Charaktere der bedeutendsten Dramatiker der Zeit wie Bernhard Shaw, Frank Wedekind, Bertolt Brecht, Ödön von Horváth und ihres Ehemannes Klabund.

 

Außergewöhnlich war jedoch auch ihr tragisches Schicksal. In ihrer durch den Machtantritt der Nationalsozialisten erzwungenen Emigration manifestiert sich auf tragische Weise das Schicksal einer Künstlerin zwischen den Diktaturen Hitlers und Stalins. Carola Neher, die sich in der Sowjetunion neue Ausdrucksmöglichkeiten erschließen wollte, wurde für diesen Schritt doppelt bestraft: Nachdem sie dort einen Aufruf linker Künstler zur Volksabstimmung über nationale Zugehörigkeit des Saargebiets unterzeichnet hatte, wurde sie erst von den NS-Machthabern aus Deutschland ausgebürgert, dann 1936 während der stalinistischen Säuberungen verhaftet und zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Sie starb 1942 im Lager Sol-Ilezk in der Sowjetunion.

 

MEMORIAL Deutschland initiierte die Benennung einer Münchner Straße nach Carola Neher. Sie wurde am 15.11.2013 offiziell benannt.