Stalin-Denkmäler sind inakzeptabel

Erklärung der Internationalen Gesellschaft Memorial

Jedes Jahr vor dem 9. Mai, besonders wenn ein runder Jahrestag des Sieges bevorsteht, kommt es in verschiedenen russischen Regionen auf unterschiedlichen Ebenen zu Versuchen, Stalin-Denkmäler zu errichten oder wenigstens Plakate mit seinem Konterfei aufzuhängen. Häufig werden diese Versuche kaschiert, indem Stalin nicht allein, sondern in einer Gruppe erscheint, zusammen mit Marschällen, Ordensträgern oder Führern der Anti-Hitler-Koalition.

 

Allerdings ändert die Tatsache, dass Stalin zusammen mit anderen historischen Persönlichkeiten gezeigt wird, nichts am Wesen der Sache. Ein Denkmal für Stalin zu errichten wäre eine Schande. Die Verbrechen Stalins haben in der russischen Geschichte nicht ihresgleichen. Ihr ungeheures Ausmaß lässt nicht zu, dass seine Konterfeis öffentlich in irgendeinem positivem Kontext gezeigt werden. Dies muss gesetzlich verboten werden.

 

Natürlich geht es nicht darum, Stalin aus der Geschichte zu streichen und etwa zu verbieten, dass sein Name genannt wird, so wie Stalin selbst mit seinen ehemaligen Kampfgefährten verfuhr, nachdem er sie liquidiert hatte. Aber der Ort für Diktatoren sind Museen, Lehrbücher, historische Monografien – im Zusammenhang mit ihren Taten, und nicht öffentliche städtische Plätze.

 

Zur Erinnerung: Als 1862 in Novgorod aus Anlass der 1000-Jahr-Feier von Russland ein Denkmal errichtet wurde, verzichtete man auf ein Bild von Ivan Groznyj (Ivan dem Schrecklichen). Man hatte sich entschlossen, ihn seiner Untaten wegen nicht zu zeigen, obwohl dieser Tyrann zweifellos in der russischen Geschichte eine bedeutende Rolle gespielt hat.

 

Es gibt Grenzen, die ein Mensch nicht überschreiten kann, ohne das Recht auf öffentliche Achtung zu verlieren. Die Tatsache, dass es immer noch kein gesetzliches Verbot gibt, Stalin öffentlich zu glorifizieren, zeigt, dass der Staat immer noch nicht begriffen hat, dass es diese Grenzen gibt.

 

MEMORIAL International

5. Mai 2015