Carola Neher

Eine Tagung von MEMORIAL Deutschland im Literaturhaus Berlin

 

Samstag, 5.11.2016

 

Das Leben der Carola Neher, die zur Stilikone ihrer Zeit und zur Inspirationsfigur tonangebender Literaten der 20er-Jahre wurde, bevor sie nach ihrer Emigration in die Sowjetunion den stalinistischen „Säuberungen“ zum Opfer fiel, erscheint als ein Kristallisationsmoment der deutsch-sowjetischen Geschichte. Ihre Biografie eröffnet Zugänge zum „Zeitalter der Extreme“, das zutiefst geprägt war von der kommunistischen Bewegung in Europa sowie der Terrorherrschaft der nationalsozialistischen und der stalinistischen Diktaturen.  Im Rahmen dieser Tagung soll die Lebensleistung dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit gewürdigt und der Kontext ihres tragischen Schicksals erhellt und befragt werden.

 

 

Programm

 

14.00-14.45  Prof. Klaus Völker (Akademie der Künste): Die Schauspielerin Carola Neher

 

Die Schauspielerin Carola Neher, die in großen Bühnenrollen wie der „Haitang“ in Klabunds „Kreidekreis“, der „Polly“ in Brechts „Dreigroschenoper“ und der „Marianne“ in Horvaths „Geschichten aus dem Wienerwald“ Theatergeschichte schrieb, besuchte nie eine Schauspielschule. Professor Völker beschreibt den eindrucksvollen Aufstieg dieser mit Klugheit und Humor gut gewappneten Darstellerin an die Spitze des Theaterlebens der Weimarer Republik.

 

15.00 -15.45   Dr. Anne Hartmann (Universität Bochum): Fremd in der "wahren Heimat". Deutsche Emigranten im sowjetischen Exil

      

Das politische Exil in der Sowjetunion, in das deutsche Emigranten zumeist mit großen Hoffnungen und hohen Ambitionen aufbrachen, wurde für viele zu einer Erfahrung fortschreitender Desillusionierung und lebensbedrohlicher politischer Verfolgung. Anne Hartmann erläutert die Situation deutscher Emigranten in der Sowjetunion in Zeiten des Terrors.

16.00 – 16.30  Kaffeepause

 

16.30 – 17.15  Reinhard Müller: Carola Neher und Bertolt Brechts gesammeltes Schweigen


Bertolt Brecht war vielleicht der Einzige, der Carola Neher in ihrer verzweifelten Lage nach ihrer Verhaftung noch hätte helfen können. Doch Brecht reagierte auf die stalinistischen Prozesse mit öffentlichem Schweigen. Reinhard Müller analysiert die zutiefst ambivalente Haltung eines der einflussreichsten deutschen Schriftsteller und Intellektuellen. In dem Zusammenhang stellt er erstmals auch Brechts Moskauer Kaderakte vor.

 

17.25 – 18.15  Dr. Irina Scherbakowa, Moskau: Der Fall Carola Neher und die russische Erinnerungspolitik

  

Irina Scherbakowa , die den Sohn Carola Nehers, Georg Becker, bei der Spurensuche an die Stätten der Verfolgung seiner Mutter in den politisch noch „optimistischen“  90er Jahren begleitete, analysiert kritisch, ausgehend vom „Fall Carola Neher“, die problematische Erinnerungspolitik im heutigen Russland.