Die „letzte Adresse“

Ein neues Projekt zur Auseinandersetzung mit dem Stalinismus auf breiter Basis

Seit seiner Existenz gehört es zu den Hauptaufgaben von MEMORIAL, Informationen und Zeugnisse über Opfer des stalinistischen Terrors zu sammeln und vor dem Vergessen zu bewahren. Die von MEMORIAL erstellte Datenbank über Opfer des politischen Terrors, die natürlich keineswegs vollständig ist und laufend ergänzt wird, könnte die wesentliche Quelle für ein neues Projekt werden.

 

Initiator dieses Projekts ist der Journalist Sergej Parchomenko. Nach seinen Worten geht es vor allem darum, das Andenken an einfache Sowjetbürger, die in die Mühlen der Repressionen gerieten, zu bewahren. Gedenktafeln für berühmte Persönlichkeiten gebe es in jeder Stadt in großer Zahl. Es gebe aber für Angehörige bisher keine Möglichkeit, an das tragische Schicksal ihrer Angehörigen zu erinnern, wenn diese keine bekannten Personen waren. Für sie ist dieses Projekt in erster Linie gedacht.

 

Teilweise zumindest wird auf das Vorbild von Gunter Demnigs „Stolpersteinen“ zurückgegriffen, die an NS-Opfer erinnern und mittlerweile nicht nur in Deutschland, sondern noch in etlichen weiteren Ländern, die in Hitlers Machtbereich gefallen waren, zu finden sind. Allerdings sollen die Gedenkzeichen an den Häusern, in denen die Opfer zur Zeit ihrer Verhaftung wohnten, ihren „letzten Adressen“, angebracht werden (nicht in den Boden eingelassen wie bei Demnig). Wie die Tafeln im Einzelnen zu gestalten sind, ist noch offen.

 

Für die erforderlichen kurzen Angaben auf den Tafeln wird die Datenbank von MEMORIAL als wesentliche Informationsquelle dienen. Man will für das Projekt keine staatliche Förderung in Anspruch nehmen. Die rechtlichen Fragen sollen mit den jeweiligen regionalen und städtischen Behörden geklärt werden.

 

Die Initiative soll im Einzelfall von Privatpersonen ausgehen. Eine Gruppe bei Facebook gibt es bereits. Die Initiatoren hoffen, dass das Projekt im Laufe der Zeit auf breite Resonanz stoßen wird und den Anstoß zu einer großen zivilgesellschaftlichen Initiative geben könnte.

 

11.2.2014