Zur Gründung des sowjetischen Geheimdienstes vor hundert Jahren

Erklärung von Memorial International

Am 20. Dezember 2017 sind genau hundert Jahre seit Gründung des sowjetischen Geheimdienstes Tscheka vergangen.

 

Diese Organisation firmierte in der Folge unter etlichen Bezeichnungen (GPU, OPGU, UGB NKWD, NKGB, MGB, KGB usw.). Hinsichtlich der Verbrechen, die die Tscheka gegen Bürger des eigenen Landes zu verantworten hat, hat sie nicht viele Konkurrenten.

 

Nachdem sie mit einem der ersten Dekrete alle alten Gerichte aufgelöst hatten, etablierten die Bolschewiki in Kürze ein System, um außergerichtlich mit ihren Gegnern abzurechnen. Dank der Verbrechen dieses Systems wurden Millionen in Lager geschickt oder hingerichtet, ohne eine Möglichkeit, sich zu verteidigen.

 

Seit 1995 wird am 20. Dezember offiziell der „Tag des Mitarbeiters der Sicherheitsorgane der Russichen Föderation“ begangen. Das ist eine unverhohlene und andauernde Verhöhnung des Gedenkens an Millionen von Opfern.

 

Darüber hinaus ist es ein Signal für die ganze Welt, dass das bolschewistische Regime nicht der Vergangenheit angehört. Nicht die Jahrhunderte russischer Geschichte, sondern genau das Jahr 1917 ist der Referenzpunkt für die Machthaber des „postsowjetischen“ Russland.

 

Kum jemand wird ernstlich behaupten, dass vor 1917 niemand die Interessen des russischen Staates verteidigt hätte oder dass ausgerechnet dies das Ziel des bolschewistischen Umsturzes gewesen wäre. Aber aus Jahrhunderten russischer Geschichte wurde gerade dieses Datum ausgewählt, an dem einer der grausamsten Geheimdienste aller Zeiten und Völker ins Leben gerufen wurde.

 

Das ist eine Schande und ein Unglück für das heutige Russland. Umso mehr wird Russland in den Augen der ganzen Welt für die sowjetischen Verbrechen verantwortlich scheinen, da die Machthaber nicht willens sind, sich von der Vergangenheit zu distanzieren, das kommunistische Regime für verbrecherisch zu erklären und endlich die Archive der bolschewistischen Geheimdienstes freizugeben.

 

Die Beibehaltung eines „Tages des Tschekisten“, unter welcher Bezeichnung auch immer, macht die Reden, die bei der Einweihung von Denkmälern für die Opfer von Verfolgungen erklingen, unglaubwürdig. Man kann nicht Abel und Kain gleichzeitig verehren.

 

Eine solche Doppelzüngigkeit, die nicht mehr mit der Angst vor Repressionen zu rechtfertigen ist, birgt die Gefahr, dass die Vergangenheit wiederkehrt. Und selbst als Farce wird das keine heitere Angelegenheit.

 

20. Dezember 2017