„Schreibt Briefe an politische Gefangene in Belarus und Russland!“
In Belarus und in der Russischen Föderation gibt es jeweils weit über 1000 Menschen, die aufgrund ihrer geäußerten Meinung, wegen zivilgesellschaftlichen Engagements oder im Zuge friedlicher Protestaktionen zur Herrschaft Aljaksandr Lukaschenkas bzw. Wladimir Putins oder zum russischen Angriffskrieg in der Ukraine zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden sind.
Hinzu kommen politisch Gefangene aus der Ukraine, die in Russlands Gefängnissen leiden.
Meist sind sie alle weit entfernt von Familien und Freunden unter harten Bedingungen in Straflagern mit wenig Kontakt nach außen untergebracht.
Zum besseren Verständnis ihrer Lage empfehlen wir den Dokumentarfilm
Was können wir in Deutschland für diese Menschen tun?
Menschenrechtsorganisationen wie unser Memorial-Netzwerk machen regelmäßig auf die schlechte Menschenrechtslage in Belarus und in der Russischen Föderation aufmerksam und rufen zu mehr Engagement auf, um politische Gefangene zu befreien, u.a. über die Initiative „People First“ . Denn auch im Lichte einer Reihe von Freilassungen prominenter politischer Gefangener aus Russland und aus Belarus (zuletzt im Dezember 2025) dürfen wir die vielen oft weniger prominenten Gefangenen dort weiterhin nicht aus den Augen verlieren. Weitere Infos gibt es für die, die Russisch oder Englisch sprechen (oder über eine Browsererweiterung, die automatisch übersetzt, verfügen, beim Memorial Menschenrechtszentrum unter https://memopzk.org/list-persecuted/spisok-politzaklyuchyonnyh-bez-presleduemyh-za-religiyu/ oder unter https://ovd.info/
Ganz besonders wichtig ist es für die Inhaftierten dabei, nicht vergessen zu werden! Schon aus der Zeit sowjetischer Repression wissen wir, wie überlebenswichtig für politische Gefangene der Erhalt von Briefen ist – Briefe von ihnen unbekannten Menschen, die ihr Opfer für eine bessere Zukunft aller sehen und dabei oft einfach nur aus ihrem persönlichen Alltag berichten. So können die Gefangenen in ihren Gedanken immer wieder „ausbrechen“ aus ihrem Haftalltag. Gleichzeitig sehen die Gefängnisverwaltungen, dass Insassen international gesehen werden – ein kleiner Schutz.
Daher wäre es unsere große Bitte: Schreibt Briefe!
Dies könnt Ihr tun für belarussische politische Gefangene unter: https://100xsolidaritaet.de/ und für politische Häftlinge in Russland unter: Briefe an Gefangene – gegen das Vergessen | Gefangen in Russland. Dort könnt Ihr mit wenigen Klicks russisch- bzw. belarussisch-sprachige Briefvorlagen nutzen, die direkt auch die korrekte Adresse zu konkreten politischen Gefangenen generieren. Es ist der einfachste und schnellste Weg, um tätig zu werden. Der Aufbau beider Webseiten wurde finanziell von Memorial Deutschland mit unterstützt.
Es gibt noch weitere Netzwerke und Organisationen, über die Ihr relativ leicht entscheiden könnt, wem Ihr konkret schreiben möchtet und wie Ihr Eure Briefe absenden möchtet. Gerade wenn Ihr einen inhaltlich persönlich und individuell gestalteten Brief schreiben möchtet, sind sie eine gute Hilfe. Wichtig dabei: Eure Briefe sollten in russischer Sprache abgeschickt werden, denn dann wird keine Zensurbehörde zur Übersetzung der Inhalte zwischengeschaltet mit „ungewissen Übersetzungszeiten“. Wie oben erläutert, sollte man über Persönliches schreiben und bei politischen Inhalten sehr vorsichtig sein. Wir empfehlen Euch daher:
1) https://memopzk.org/en/kak-pisat-pisma-politzaklyuchyonnym/: Das Memorial Menschenrechtszentrum bietet detaillierte Infos, worauf inhaltlich und formell beim Verfassen von Briefen zu achten ist – und welche Themen konkret vermieden werden sollten. Dort finden sich auch Informationen darüber, wie über Memorial France Briefe übersetzt und verschickt werden können und welche weiteren Anbieter es noch gibt. Der Weg über Memorial France setzt allerdings Grundkenntnisse im Französischen voraus bzw. eine Browsererweiterung, die Euch die Seite automatisch übersetzt.
2) https://www.rightsinrussia.org/category/write-to-russia/: Die in Großbritannien ansässige Organisation „Rights in Russia" hat die Aktion „Write to Russia" ins Leben gerufen. Auf ihrer Webseite https://www.rightsinrussia.org/list-of-prisoners/ wird wöchentlich der Fall eines oder einer Gefangenen aus einer Liste präsentiert, der auf Informationen von Memorial bzw. OVD (siehe oben) oder auch von Amnesty International beruht. Dazu wird ein Service angeboten, auf Englisch verfasste Briefe zu übersetzen und gegen Erstattung der Postgebühr an den entsprechenden Gefangenen zu senden. Beim Übersetzen ins Englische hilft Euch beispielsweise die Website DeepL.com. Sobald der Brief übersetzt ist, erhält man von „Write to Russia" per e-mail eine Kopie der Übersetzung mit einem Foto des adressierten Briefumschlages. Für eine mögliche Antwort - ein Beweis, dass der Brief angekommen ist - sollte man die eigene Postadresse angeben, oder man kann das Postfach von „Rights in Russia" verwenden: PO Box 149, Ilminster, Somerset TA20 9EA, United Kingdom.
3) Falls russische Exilantinnen und Exilanten Euch nach Möglichkeiten fragen, sich zu engagieren, dann könnt Ihr sie u.a. auf die Co-working Plattform Reforum Space Berlin verweisen: https://space.reforum.io/berlin/