Jurij Dmitriev ist aus dem Gefängniskrankenhaus zurück ins Straflager gebracht worden.
In das Krankenhaus hatte man ihn mit Verdacht auf Schlaganfall verlegt, eine Diagnose wurde dort jedoch nicht erstellt, da dem Gefängniskrankenhaus die Ausrüstung zu einer Diagnostik fehlt. Dmitriev erhielt eine Reihe von Spritzen, was ihm verabreicht wurde, ist nicht bekannt und es geht ihm weiterhin nicht gut. Im Krankenhaus verschrieb man Dmitriev Bettruhe bis zum 28. Oktober, worüber man offenbar im Straflager nicht informiert war, da man ihm - so berichtet die Unterstützergruppe - zunächst nicht gestattete, sich hinzulegen.
Wir erinnern, dass Jurij Dmitriev, der sich mittlerweile im zehnten Jahr in Haft befindet, gesundheitlich bereits seit längerem Anlass zur Sorge gibt. In den letzten drei Monaten wurde er mehrfach in den Strafisolator gesteckt, weil er sich vor der Nachtruhe auf seine Pritsche gesetzt und seine Morgengymnastik nicht korrekt ausgeführt hatte.
Wir erinnern, dass Dmitriev aufgrund fabrizierter Beschuldigungen 2021 zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde. Vorangegangen waren mehrere Prozesse. Hintergrund war Dmitrievs unermüdliches Engagement bei der Aufklärung stalinistischer Massenmorde in Karelien. Es war ihm gelungen, eine Reihe von Hinrichtungsstätten ausfindig zu machen, am bekanntesten geworden ist in diesem Zusammenhang Sandarmoch bei Medvezhegorsk, wo er maßgeblich an der Einrichtung einer Gedenkstätte mitwirkte. Unter den von Dmitriev in Sandarmoch Identifizierten befinden sich auch 289 ukrainische Schriftsteller, Dramatiker, Wissenschaftler sowie weitere Mitglieder der ukrainischen Intelligenz.
Zum Motiv der Verfahren gegen Dmitriev stellte MEMORIAL International 2021 fest: "Die Entscheidung des Kassationsgerichts hat bestätigt, dass es im Verfahren gegen Dmitriev nicht um das Gesetz geht, sondern um den politischen Auftrag einer öffentlichen, unerbittlichen und unfairen Abrechnung."