Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingereicht
Am 2. April wurde im Stadtgericht von Petrosavodsk das Revisionsverfahren gegen Jurij Dmitriev wieder aufgenommen, das im November vorigen Jahres begonnen hatte. Es geht um zwei Anklagepunkte (Kinderpornographie, sexuellen Missbrauch ohne Gewalt gegen Minderjährige), nach denen Dmitriev bereits zweimal – im April 2018 und im Juli 2020 - freigesprochen worden war, außerdem um Waffenbesitz (ein untaugliches Gewehr mit abgesägtem Lauf). In diesem Punkt war er im April 2018 verurteilt, im Juli 2020 aber ebenfalls entlastet worden. Das Oberste Gericht Kareliens hatte im September 2020 eine Neuverhandlung gefordert.
Weiterlesen … Jurij Dmitriev: Wiederaufnahme des Verfahrens in Petrosavodsk
Nach dem Inkrafttreten der erneuten Verschärfung des sogenannten Agentengesetzes am 1. März 2021, die die Arbeit der in Russland als „ausländischer Agent“ registrierten NGOs noch weiter einschränkt, hat der Vorsitzende der Bewegung „Za prava tscheloveka“ (Für Menschenrechte) Lev Ponomarev die Selbstauflösung der Organisation bekanntgegeben.
Weiterlesen … Menschenrechtsorganisation „Za prava tscheloveka“ erklärt Selbstauflösung
Bei den Verhaftungen im Rahmen der Proteste im Januar und Februar waren auch Medienvertreter betroffen. So erhielt der Chefredakteur des unabhängigen Online-Mediums Mediazona, Sergej Smirnov, wegen eines Retweets, in dem die nicht-genehmigten Demonstrationen für Alexej Navalnyj erwähnt wurden, eine Haftstrafe von 25 Tagen, die später auf 15 Tage herabgesetzt wurde. Smirnov verbrachte den Arrest, wie viele andere auch, in der Abschiebehaftanstalt Sacharovo und hat mittlerweile gegen seine Verurteilung Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingelegt. Im Interview mit der "Novaja Gazeta" erzählt er von seinen Erfahrungen. Wir bringen das Interview gekürzt in Übersetzung.
Weiterlesen … Stimmen der Proteste: „Politische Häftlinge, fertig machen zum Hofgang!“
Da man bei den massenhaften Verhaftungen während der Demonstrationen im Januar und Februar in Moskau nicht mehr genug Platz für alle Festgenommenen hatte, wurden etwa 800 Personen in eine Zwangsabschiebungseinrichtung für Ausländer im Dorf Sacharovo bei Moskau gebracht, wo zum Teil unhaltbare Bedingungen herrschten. MBX Media sprach mit einigen der Insassen nach ihrer Freilassung über die dortigen Haftbedingungen und die Verletzung ihrer Rechte. Wir bringen ihre Stimmen gekürzt in Übersetzung.
Viele, die sich an den Demonstrationen im Januar beteiligt haben, taten das für ein anderes Russland. Sie erzählen der Redaktion von „7x7“, in was für einem Land sie lebenwollen. Wir bringen ihre Erzählungen in Übersetzung.
Weiterlesen … Stimmen der Proteste: „Navalnyj? Nicht unbedingt.“
Erklärung von Memorial International
Am 16. Februar 2021 hat das 3. Kassationsgericht in St. Petersburg das Urteil des Obersten Gerichts der Republik Karelien bestätigt. Dieses hatte Jurij Dmitriev zu 13 Jahren Haft verurteilt (statt der dreieinhalb Jahre, wie im Urteil der ersten Instanz).
Das Kassationsgericht in St. Petersburg hat in der Gerichtsverhandlung von heutigen 16. Februar das Urteil vom 29. September 2020 gegen Jurij Dmitriev bestätigt.
Bei den Demonstrationen seit der Verhaftung Navalnyjs sind mittlerweile mehr als 11.000 Personen verhaftet worden, zum derzeitigen Zeitpunkt wurden nach Angaben von OVD-Info gegen mindestens 27 Personen Verfahren eingeleitet wegen Gewalt gegen Staatsvertreter, mehrfachem Verstoß gegen das Versammlungsrecht, Vandalismus, Massenunruhen, Aufruf zu extremistischen Aktionen, Rowdytum sowie Verstoß gegen Hygiene- und epidemiologische Auflagen. Junge Aktivisten erzählen „7x7“, wie die Gerichtsverfahren ihre zivilgesellschaftliche Haltung beeinflusst haben.
Weiterlesen … Stimmen der Proteste: Die Gesellschaft wird nie wieder so sein, wie früher
Am 16. Februar wird das Dritte Kassationsgericht in St. Petersburg die Klage Jurij Dmitrievs gegen das Urteil des Obersten Gerichts Karelien vom 29. September 2020 behandeln. Die Verhandlung beginnt um 11.15 Uhr unter der Leitung von Richter Sergej Zhernov. Dmitriev selbst soll per Video zugeschaltet werden, sein Anwalt Viktor Anufriev persönlich zur Sitzung erscheinen.
Weiterlesen … Jurij Dmitriev: Berufungsklage vor dem Kassationsgericht
„Wie soll man ruhig auf diese ganzen Klobürsten schauen, wenn man überhaupt keine Perspektive hat?“
Seit der Verhaftung von Alexej Navalnyj kam es bei Protesten in ganz Russland laut Angaben von OVD-Info mittlerweile zu mehr als 11.000 Verhaftungen, dabei sind Gewalt und Willkür an der Tagesordnung. Am 23. Januar fand in Sevastopol auf der Krim die erste Demonstration gegen Präsident Putin seit der Annexion der Krim statt. Dabei wurden unter anderem der 30-jährige, in Sevastopol gebürtige Musiklehrer und DJ Maksim Rozum verhaftet sowie eine Frau namens Dina (Name geändert). Beide erzählen ihre Geschichte nach der Freilassung aus der Haft. Nadezhda Isaeva hat sie in der "Novaja Gazeta" veröffentlicht. Wir bringen ihre Berichte leicht gekürzt in deutscher Übersetzung.
Weiterlesen … Demonstrationen in Russland 2021 – Stimmen der Proteste - Berichte von Augenzeugen
Erklärung von Alexander Cherkasov / Leiter des Menschenrechtszentrums Memorial
Das Gerichtsurteil gegen Alexej Navalnyj – zwei Jahre und acht Monate Haft – hat nichts mit einem Rechtsurteil gemein. Es setzt lediglich die Reihe von Gesetzwidrigkeiten fort, zu denen es in den letzten Wochen, Monaten und Jahren gekommen ist. Das russische Gerichtsurteil gegen Navalnyj im Verfahren „Yves Rocher“ war politisch motiviert. Es wurde vor dem Straßburger Gericht erfolgreich angefochten. Russland hat die Entscheidung des Europäischen Gerichts für Menschenrechte (EGMR) akzeptiert – und jetzt wird ausgerechnet dieses Urteil zum Vorwand genommen, Navalnyj wegzusperren.
Weiterlesen … Haftstrafe für Navalnyj - unsere neue Realität
Berichte von der Demonstration in Moskau am 23. Januar
Bei den Demonstrationen in mehr als 100 Städten Russlands am 23. Januar zu Unterstützung von Alexej Navalnyj kam es nicht nur zu massenhaften Verhaftungen (OVD-Info zählt für diesen Tag mittlerweile über 4000 Festnahmen), sondern auch zu brutalen Übergriffen von Seiten der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten. Einige von ihnen haben ihre Geschichte erzählt. Wir bringen drei der Berichte gekürzt in Übersetzung.
Weiterlesen … Es war wie nach einem hart umkämpften Fußballspiel – Alle hatten verbundene Köpfe
Zu Jurij Dmitrievs 65. Geburtstag
Am heutigen 28. Januar vollendet Dmitriev sein 65. Lebensjahr.
32 Jahre seines Lebens hat er dem Gedenken an Menschen gewidmet, die unter dem Regime Stalins ermordet wurden.
Nachdem Konstantin Kotov gestern Abend festgenommen worden war, fand heute, wie angekündigt, in Moskauer Bezirksgericht Solntsevo die Verhandlung statt (nach Art. 19.3 Ordnungsstrafrecht).
Anders als vielleicht zu erwarten gewesen wäre, wurde er nicht zu einer Geldstrafe verurteilt, sondern zu einer Ordnungshaft von fünf Tagen.
28. Januar 2021
Konstantin Kotov – kürzlich aus mehrjähriger Haft entlassen - ist heute erneut festgenommen worden. Er hatte sich gegen 19 Uhr von zu Hause in ein Geschäft begeben wollen, wo er allerdings nicht auftauchte. Mehrere Stunden lang wurde er vermisst.
Brief aus der Haft von Sergej Surovzev
Sergej Surovzev wurde im Rahmen der Moskauer Prozesse wegen angeblicher Gewaltanwendung gegen Staatsvertreter (§ 318.1 StGB RF) zu zweieinhalb Jahren Lagerhaft verurteilt. Im Sommer 2019 hatte er sich an Protesten beteiligt, nach Angaben der Ermittler dabei eine Metallabsperrung angehoben und dadurch eine Sicherheitskraft verletzt. Surovzev bestreitet den Vorwurf, sein Berufungsverfahren wurde zurückgewiesen. OVD-Info veröffentlicht auf seine Bitte einen Brief von ihm aus der Haft. Wir bringen den Brief leicht gekürzt in Übersetzung.
Weiterlesen … Moskauer Prozesse: Die Welt um mich herum ist zusammengebrochen
Mansur Gilmanov, Anwalt und Kollege des Projekts „Apologia Protesta“, wurde am Abend des 21. Januar von einem Mitarbeiter der Moskauer Polizeistation Danilovskij geschlagen. Wir fordern vom Innenminister Vladimir Kolokolzev die sofortige Freilassung von Mansur Gilmanov . Der Polizist muss zur Verantwortung gezogen werden.
Weiterlesen … OVD-Info fordert die sofortige Freilassung des Anwalts Mansur Gilmanov
Die Festnahme Navalnyjs ist ein Akt politischer Willkür und der Abrechnung
Erklärung des Menschenrechtszentrums Memorial zur Festnahme Navalnyjs
Am 17. Januar wurde Alexej Navalnyj am Moskauer Flughafen Scheremetevo verhaftet. Zusammen mit neuen Strafverfahren ist dies Teil einer weiteren politisch motivierten Repressionskampagne gegen den oppositionellen Politiker. Strafverfolgung zur Unterdrückung politischer Gegner durch die russischen Behörden ist eine empörende, inakzeptable, aber schon übliche Praxis.
Weiterlesen … Alexej Navalnyj zu 30 Tagen Untersuchungshaft verurteilt
In Zusammenhang mit der Rückkehr von Alexej Navalnyj nach Russland wurden zahlreiche seiner Anhänger festgenommen, die sich vor allem am Moskauer Flughafen Vnukovo eingefunden hatten. Dabei wurden insgesamt 69 Personen in Haft genommen, davon 62 in Moskau und sieben in St. Petersburg, unter ihnen auch Ljubov Sobol und der kürzlich aus der Haft entlassene Konstantin Kotov.
Weiterlesen … Zahlreiche Festnahmen in Zusammenhang mit Navalnyjs Rückkehr
Am 3. Januar ist Michail Rogatschov, langjähriges Vorstandsmitglied von Memorial International, in Petersburg an Covid-19 verstorben.
1952 wurde Michail Rogatschov in Riga geboren. Er studierte Geschichte an der Leningrader Staatsuniversität und wurde 1975 in die Republik Komi geschickt, wo er als Lehrer und Wissenschaftler arbeitete. Er unterrichtete zunächst in Tuisekres (Kreis Ust-Wym), später wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Ethnographie-Abteilung des Instituts für Sprache, Literatur und Geschichte in Komi und publizierte im In- und Ausland. Ab 1992 unterrichtete er Geschichte an einem an die Universität Syktyvkar angebundenen Lyzeum.
Weiterlesen … Memorial International trauert um Michail Rogatschov
Interview mit Konstantin Kotov
Konstantin Kotov hat nach seiner Freilassung aus der Haft dem Projekt Komanda 29 auf einer Taxifahrt ein Interview gegeben. Wir bringen es leicht gekürzt in Übersetzung.
Zuerst möchte ich Ihnen zu Ihrer Freilassung gratulieren. Wie haben sie den ersten Tag in Freiheit verbracht?
Man hat mich um sechs Uhr morgens entlassen, völlig unerwartet, ich hatte gedacht, es würde sein wie es bei allen üblich ist, mittags um zwölf, aber sie haben mich früher rausgejagt. Auf der Straße warteten schon Freunde und Bekannte, meine Frau Anja war schnell gekommen (Anna Pavlikova, Angeklagte im Verfahren Novoe Velitschie; d. Red.). Wir konnten einander alle sehen und dann fuhren wir nach Moskau.
Weiterlesen … Im Gefängnis haben alle oppositionelle Ansichten